Wenn das Fanverhalten bei „schönen“ Siegen wichtige Siege kostet…

Ein Kommentar von Roland Jauch, Redaktionsleiter Gazzetta dell’Ambrì.

Gemäss Schätzungen dürfte dieses Urteil, wenn es so bestätigt wird, den HC Ambrì-Piotta rund 100’000 Franken kosten. Zusätzlich sind derzeit noch weitere Verfahren hängig, die ebenfalls durch das Verhalten von „Fans“ ausgelöst wurden. Auch diese werden den Verein einige Tausend Franken kosten. Geld das der HCAP viel besser investieren könnte.

Der HCAP hat in seiner Pressemitteilung klar Stellung bezogen, dass er dieses Verhalten gewisser „störender“ Elemente nicht mehr weiter akzeptieren wird. Die Gioventù Binacoblù (GBB) hat die Verantwortung in einer Stellungnahme zum grossen Teil auf sich genommen. Doch reicht dies? Ich bin klar der Meinung, dass es damit bei weitem nicht getan ist!

Fribourg-Gotteron hat vor einigen Jahren ähnliche Probleme und hat gehandelt. Die Täter wurden ermittelt und aus dem Verkehr gezogen. Strafverfahren wurden eingeleitet und Schadenersatzklagen eröffnet. Seither ist es ruhig geworden. Das schöne daran, der Verein hat selber gehandelt, bevor die Liga harte Massnahmen treffen müsste.

Es gibt Regeln, die jeder Besucher eines Spiels mit dem Kauf von Tickets akzeptiert. Die Durchsetzung dieser Regeln in der Curva Sud ist in der Verantwortung des Heimteams. Auch an Auswärtsspielen stellt der HCAP im eigenen Fansektor Sicherheitspersonal. Hier erwarte ich mehr Verantwortung der Chefetage des HCAP. Auch härtere Kontrollen, ob das eigene Personal die Regeln durchsetzt. Wenn jemand Mühe hat, diese Regeln gegen die eigenen Fans durchzusetzen, ist er auf dem falschen Posten und muss aussortiert werden. Insofern liegt die Verantwortung für diese Vorfälle nicht nur bei den „Pyro-Zündern“ und „Gegenstand-Werfern“ sondern auch beim HCAP, Es ist nur eine logische Konsequenz, wenn die anderen NLA Vereine ihre generellen Sicherheitsvorkehrungen erhöhen, wenn der HCAP zu Gast kommt. Der HCAP hat seine „störenden“ Elemente ganz offenbar selber (noch) nicht im Griff.

Wir normalen Fans möchten alle, dass sich die Spieler auf dem Feld an die Regeln halten. Wir  beschimpfen unsere Spieler, wenn sie „dumme“ Strafen nehmen, die uns einen Sieg kosten könnten.

Egal ob es nun Pyros sind, die abgebrannt werden, oder scheinbar harmlose Konfetti, die aufs Eis geworfen werden. Beides ist in den Regeln als verboten festgelegt und wird entsprechend bestraft. Wir „normalen“ Fans können hier auch mehr Verantwortung nehmen, indem wir das Verhalten einiger nicht mehr einfach nur hinnehmen, sondern unseren Unmut ihnen gegenüber klar äussern. Jeder der einen „Täter“ deckt, darf über solche Strafen nicht jammern.

Choreos sind ein wichtiges Element in der Fankultur. Es ist auch immer wieder eindrücklich, welche gewaltigen Werke die HCAP Fans zu Hause und Auswärts zu Stande bringen. Diverse Fan-Gruppierungen beweisen immer wieder eine enorme Kreativität, von der andere Vereine nur träumen können. Nicht umsonst wählten die  Spieler der NLA  die Fans des HCAP zu den besten Fans der Liga. Der HCAP steht auch bei vielen Anhängern anderer Vereine an zweiter Stelle. Ein Status, der nicht einfach so erreicht wird, der aber leider schnell wieder zerstört werden kann.

Cari Tifosi, macht weiter so und seid weiterhin kreativ. Dies wird den Fan-Nachwuchs sicherstellen und so die Zukunft des HCAP sichern. Bitte beachtet aber bei euren Ideen, die Konsequenzen, die es für den HCAP haben kann.

Das Geld für die ersparten Bussen wegen unkorrektem Verhalten der Fans kann dadurch in die Mannschaft investiert werden. Mit 100’000 Franken könnte zum Beispiel ein Top-Ausländer für die Playouts verpflichtet oder nächste Saison für bessere Schweizer Spieler eingesetzt werden. Damit wären weiterhin „schöne“ Siege wie gegen Lugano möglich. Aber vor allem könnten auch wieder mehr „wichtige“ Siege gegen direkte Konkurrenten eingefahren werden. Die schönste und unproblematischste Choreo zum Schluss eines Spieles ist und bleibt die La Montanara!

 

One thought on “Wenn das Fanverhalten bei „schönen“ Siegen wichtige Siege kostet…

  1. Du hast vollkommen recht, und die Verantwortlichen sollen zur
    Rechenschaft gezogen werden, nur so ist es möglich das Verhalten dieser Fans zu ändern. Nur gibt es wie immer zwei Seiten der Medaille. Die Aktionen mögen zwar gegen die Hausordnung verstossen und idiotisch sein, aber die Bestrafung ist genauso unintelligent. Es erinnert stark an die Kollektivstrafen in der Schule oder im Militär. Und da hat man sie abgeschafft, da sie nichts bringen.

    Emotionen gehören in der Schweiz zum Eishockey. Manchmal gehen sie zu hoch. Manchmal macht man Fehler. Vor allem wenn man jung und dumm ist. Aber es gibt einfache Methoden, die fehlbaren Personen ohne Kameras und Id-Scan ausfindig zu machen. 3 bis 5 Personen vom Sicherheitspersonal, welche die Kurve beobachten reichen. Und dann muss man die Täter mit einer sinnvollen Strafe (= Geldbusse / Anzeige bei der Polizei) belegen.

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