Numa Celio: Erinnerungen eines Hockey-Pioniers

Auf der Webseite des HCAP ist ein spannender Bericht erschienen von Numa Celio. Wir möchte euch diesen nicht vorenthalten und haben ihn für euch übersetzt.

Foto: hcap.ch

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Er war eines der historischen Aushängeschilder des Hockey Club Ambri-Piotta, welcher ausser einem brillanten Spieler auch Assistenztrainer, Direktionsmitglied und für einige Jahre auch Präsident war. Numa Celio hatte die Leidenschaft für Hockey, die Liebe für sein Dorf und die Leventina im Blut. 

Hier seine Erinnerungen:

„Ich erinnere mich an die Eindrücke, die ich beim Kennenlernen dieser neuen Wintersportart hatte, als wir als Kinder auf der Kantonsstrasse spielten. Die erste Mannschaft debütierte auf einem vom Schnee befreiten Fussballplatz, dort, wo jetzt der Parkplatz der Valascia ist.

Es war um die Weihnachtszeit des Jahres 1937 als ich diese Jungen bewunderte – unter ihnen Gino Gobbi, Neno Guscetti, Franco Croce, Sergio Beffa, Renzo Peverelli und René Juri – , die dort trainierten, nachdem sie mit einem Feuerwehrschlauch das Eis präpariert hatten. In jenen Jahren waren wir alles Pioniere: Jeder half, wo er konnte. Zum Beispiel beim Reinigen des Eises mit Besen.

Ambri war für mich die Freude, sich in Gruppen zu treffen, unter Freunden. Eine Leidenschaft für das Spiel, die uns dazu brachte sogar im Schnee zu spielen, wenn das Eis fehlte. Geblieben ist mir auch ein bisschen Stolz, weil ich im bescheidenen Rahmen meiner Möglichkeiten an der Entstehung des Eisfeldes, dann des moderneren Stadions sowie den Tribünen und der Buvette beteiligt war.

Für unser kleines Dorf Ambri war das Hockey wahrlich ein Motor für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, vor allem ab den fünfziger und sechziger Jahren, als die Leute begannen, aus dem ganzen Tessin und aus anderen Kantonen an die Spiele zu reisen. Es gab zahlreiche Familien, die die Bars und Restaurants des Dorfes, aber auch des ganzen Tales, auf dem Weg nach Biasca und Bellinzona besuchten. Dies auch darum, weil damals fast alle Spieler in der Nähe wohnten und man sie, im Gegensatz zu heute, oft nach den Spielen in öffentlichen Lokalen antraf.

Aus sportlicher Sicht kommen bei mir noch heute Emotionen hoch, wenn ich daran denke, mit dem bis heute besten Ausländer zusammengespielt zu haben, der je das Ambri-Dress getragen hat: Der Kanadier Bob Kelly, der ab 1953, während 5 Saisons nicht nur die Ambrifans mit seiner Klasse und Persönlichkeit verzauberte, sondern die ganze Schweiz. Bob Kelly war der erste echte Mythos in Ambri, geliebt vom Ambri-Publikum, welches in erster Linie die Mannschaft liebt, aber auch immer einen Einzelnen hervorheben möchte.

Ich habe den Eindruck, dass dieser Aspekt in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Auf der einen Seite haben wir ein Publikum, das von der immer grösseren Anzahl an Ausländern, die in der Meisterschaft eingesetzt werden, „verwöhnt“ wurde. Auf der anderen Seite heben sich diese Spieler deutlich weniger aus dem Kollektiv hervor. Das ist für mich ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Qualität des Schweizer Hockey und unserer Talente gestiegen ist. Aber das Publikum reagiert oft auf negative Art und Weise, weil es sich nicht mehr für ausländische Ausnahmekönner begeistern und sich mit ihnen identifizieren kann.

Die Tifosi sind das Benzin der Mannschaft, sind aber auch anspruchsvoller geworden. Als Ambri in der NLB spielte, hatten wir immer mind. 4‘000 Zuschauer pro Spiel. Heute reichen ein paar wenige verlorene Spiele um die Anzahl der Zuschauer auf 2‘000 sinken zu lassen. Sicher liegt die Schuld auch am Geld, das mittlerweile alles dominiert und die grossen Mannschaften aus Städten wie Zürich, Bern oder Lugano bevorteilt. Aber, vielleicht, ist es genau das, was die Herausforderung von Ambri sympathischer und aussergewöhnlich macht. Ambri, das auch heute noch der kleine David ist, der es schafft, allen anderen die Stirn zu bieten.“

Numa Celio

Quelle hcap.ch Übersetzung Angelo Lanini

Original auf Italienisch

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