Nolan Schaefer über die Gründe warum er doch nicht kam

Am Dienstag 8. Dezember 2015 kontaktierte ich Nolan Schaefer und fragte ihn, ob er bereit wäre ein Interview für die Leser der Gazzetta dell’Ambri zu geben. Nolan sagte sofort zu. Ich sprach mit ihm über seine aktuelle Situation und warum er nicht in die Valascia zurückgekehrt ist.

transfers15Lanini: Zuerst mal herzlichen Dank für Deine spontane Bereitschaft hier Rede und Antwort zu stehen. Als „Von-Fans-für-Fans-Magazin“ ist es uns eine grosse Ehre, die Möglichkeit zu erhalten, Dir einige Fragen zu stellen.
Nolan, lass uns von der Gegenwart sprechen! Wie geht es Dir?
Nolan: Es geht mir gut, danke. Ich lebe mit meiner Familie gesund und glücklich in den Vereinigten Staaten.

L: Wo lebst Du und was machst Du jetzt?
N: Ich lebe in Connecticut. Ich habe mit meinem Freund und ehemaligen NHL-Goalie Steve Valiquette zwei Hockey-Unternehmen gegründet. Wir betätigen uns einerseits im Goalie-Coaching und andererseits mit NHL-Statistiken und –Analysen.

L: Erzähl mir mehr von Deinem Unternehmen „Clear Sight Development“!
N: Bei diesem Teil unseres Business geht es nur um das Goalie-Coaching und die Entwicklung der Goalies. Wir helfen jungen Torhütern ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Weiter helfen wir ihnen, das Hockeyspiel aus der Perspektive eines Goalies zu verstehen. Wir machen verschiedene Sachen, wie Videostudium, on/off-Ice-Lektionen und betätigen uns auch als Berater.

L: Gemäss meinen Informationen bist Du im Moment in keinem Team. Wie hoch siehst Du die Chancen, dass wir Nolan Schaefer wieder auf dem Eis sehen?
N: Ich kann nicht sagen, dass ich nie mehr auf dem Eis spielen werde. Aber ich kann Dir sagen, dass Ambri meine Rechte für die nächsten 5 Jahre besitzt. Das heisst jeder Schritt, den ich diesbezüglich machen würde, müsste via Ambri gehen. Auch ist mein Unternehmen gerade sehr erfolgreich und könnte möglicherweise einen neuen Standard fürs Hockey setzen. Zudem sorgt meine aktuelle Tätigkeit dazu, dass die Familie zu Hause bleibt, in der Gemeinde, in der wir uns am wohlsten fühlen. Trotzdem… ich vermisse es zu spielen, die Jungs zu sehen e anche tutti i tifosi (und auch alle Fans)!!!

L: Die Fans in Ambri waren überrascht, als sie im August 2015 erfuhren, dass Du nicht nach Ambri zurückkommen wirst. Da gab es ein offizielles Statement des Clubs, der aber die Entstehung vieler Gerüchte über die Gründe dieses Entscheids nicht verhindern konnte. Möchtest Du heute darüber sprechen und Deine Sicht der Dinge mitteilen?
N: Die Wahrheit ist, dass es meine Entscheidung war und zwar für einen einzigen Grund: Ein besserer Vater und Ehemann zu sein, der seine Familie führt. Ich bin vor kurzem zum zweiten Mal Vater geworden. Als ich mit Ambri in den Vertragsverhandlungen war, habe ich mit dem Club über diverse Sachen gesprochen, die für uns als Familie wichtig gewesen wären, um uns wohl zu fühlen und glücklich zu werden. Da waren Dinge wie „Internationale Schule für meine Tochter“, „2 Wochen spätere Ankunft im Tessin aufgrund des Babys“, „Wohnung in der Nähe einer Schule“ und ein paar andere Sachen.
Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass aufgrund meines Lohnes, der vergangenen Goalie-Situation und auch die finanzielle Lage von Ambri, der Club die wenigsten oder keine dieser Wünsche erfüllen konnte. Aus diesen Gründen war es mir nicht möglich, es meiner Familie komfortabel zu gestalten. Ich fühlte, dass es meine Familie verdiente, nicht reisen zu müssen und zu Hause glücklich zu sein, ohne die Herausforderung in einem fremden Land leben und arbeiten zu müssen.
Wenn ich gekommen wäre und meine Familie zu diesem Schritt gezwungen hätte, denke ich nicht, dass ich dem Club meinen vollsten Effort hätte geben können. Und dies wäre gegenüber dem Club, dem Team und den Fans nicht fair gewesen.

L: Ist es wahr, dass du vertraglich für die nächsten 5 Jahre gesperrt bist, für einen anderen Club als den HCAP zu spielen?
N: Es ist keine Sperre, aber wir haben vereinbart, dass wenn ich zurückkommen sollte, ich für die nächsten 5 Jahre dem HC Ambri-Piotta verpflichtet wäre. Ich habe dem überzeugt zugestimmt. Ich hatte einen Vertrag mit Ambri und habe mich entschieden, nicht zu kommen. Der Club verdient es zu wissen, dass wenn ich zurückkommen sollte, er die Rechte an mir hätte.

L: Wie würdest Du Dein Verhältnis zum HCAP nach diesen Ereignissen bezeichnen
N: Grossartig!! Es gab keine Probleme. Keine bösen Worte. Es war eine normale Lebenssituation. Wir alle treffen irgendwann die Entscheidung aufzuhören. Ich will nicht sagen, dass ich zu 100 % fertig bin, aber zum damaligen Zeitpunkt war es einfach die falsche Entscheidung (weiter zu machen).
Und auch wenn Ambri als Club sicherlich nicht erfreut über meine Entscheidung war, hat er alles respektiert, was ich gesagt habe. Die Kommunikation zwischen uns war klar. Ich respektiere und lobe dafür alle Angestellten und Spieler des HCAP. Es ist ein Platz, der sich um die Familien kümmert, so wie sich die Fans um ihr Team kümmern. Ich denke der Club versteht das.

L: Ich war ein grosser Fan des Goalie-Duos Schaefer/Zurkirchen. Ich glaube, dass Ihr in dieser Saison die besten Statistiken aller Goalies in der National League A hattet. Wie blieb Dir diese Saison in Erinnerung
N: Er ist ein grossartiger Typ. Wie ein Bruder für mich. Ich liebte es, mit ihm zu spielen. Ich werde diese Saison immer in Erinnerung behalten und ich denke, er ist und kann ein grosser Torhüter sein!

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L: Hast Du noch Kontakt zu früheren Teamkollegen aus Deiner Zeit in der Schweiz?
N: Vor allem mit Sandro (Zurkirchen). Ich habe mit einigen der Jungs gesprochen, als ich versuchte, meinen Vertrag hinzubekommen. Manchmal spreche ich mit Pauli Jaks und hin und wieder mit Nives und Eros Morisoli, die wie meine Schweizer Eltern waren.

L: Du hast auch für Bern gespielt. Erzähl mal von den grössten Unterschieden, die man als Spieler des SC Bern im Gegensatz zu einem Spieler beim HC Ambri-Piotta erlebt. Was ist wo besser/schlechter?
N: Es ist einfach anders. Ich denke, es wäre nicht fair zu sagen, da ist es besser oder schlechter. Es sind beides grossartige Orte mit je einem eigenen Ambiente.

L: Was vermisst Du am meisten von der Schweiz?
N: Ich vermisse meine Schweizer Familie, die Morisolis. Ich vermisse meine Teamkollegen. Als ich in Bern lebte, war ich ehrlich gesagt sehr aufgeregt, als es darum ging, nach Ambri zurückzukehren. Alle Fans und Leute im Tessin sind wirklich wie eine Familie.

L: Welche Episode aus Deiner Zeit in der Schweiz wirst Du nie vergessen?
N: Ich werde meinen Fight im Derby nie mehr vergessen. Aber mehr als das… In der Valascia zu spielen und die Unterstützung der grossartigen Fans zu haben.

L: Dir wurde der Spitzname „Hooligan“ verliehen. Erinnerst Du dich an den Grund? Mochtest Du es, so genannt zu werden?
N: Ich liebte es. Ich nehme an, der Grund war mein harter und mutiger Spielstil. Das ist für einen Goalie eher untypisch. Vor allem für einen Schweizer Goalie. Aber ich liebe es zu fighten. Es macht Spass. Ich bringe diese Emotionen in meine Spiele um zu versuchen, so die Spiele zu gewinnen.

L: Was denkst Du über die Fans des HC Ambri-Piotta?
N: Ich denke, dies habe ich bereits beschrieben. „il mio cuore sempre habito nella curvo“ (sinngemäss: Mein Herz verbleibt für immer in der Curva Sud). Ich hoffe, ich habe das richtig gesagt. Mein Italienisch rostet bereits.

L: Kevin Constantine brachte Dich nach Ambri und wurde während Deiner Zeit beim HCAP entlassen. Was für eine Art Coach ist er und hast Du noch Kontakt zu ihm?
N: Ich habe noch Kontakt zu ihm. Er ist ein guter Coach und eine noch bessere Person. Ich würde mich wirklich glücklich schätzen, wenn ich wieder mit ihm arbeiten könnte.

L: Hast Du vor Kevins Anruf je daran gedacht, mal in der Schweiz zu spielen?
N: Nein.

L: Als Du in Ambri ankamst, war da noch Thomas Bäumle. Für viele Fans eine Art Heiliger. Diese Fans waren dann ein wenig enttäuscht, ja sogar verärgert, als Du Dich nach und nach zum Starting-Goalie gemausert hast. Hast Du das gespürt?
N: Nein. Ich habe das nie von irgendjemandem gespürt. Aber zu dieser Zeit konnte ich kein Italienisch sprechen und lesen. Thomas war gut für Ambri. Ich bin einfach happy, dass ich die Gelegenheit hatte, mit ihm zu spielen. Er war immer sehr nett und ich wünsche ihm das Beste.

L: Wann wirst Du die Schweiz das nächste Mal besuchen?
N: Ich bin mir nicht sicher. Im Moment bin ich ziemlich auf mein Geschäft und meine Familie fokussiert. Wir sind in den letzten 10 Jahren durch einiges durch. Wir sind glücklich, zu Hause zu sein. Aber es wird sicher nicht zu lange gehen, bis ich wieder mal zurückkomme!

L: Wirst Du dann die Valascia besuchen?
N: Wenn ich in die Schweiz zurückkomme, dann nur um in die Valascia zu gehen.

L: Willst Du eine Message für Deine Fans in der Schweiz hinterlassen?
N: Danke! Es tut mir leid, wenn ich Euch mit meiner Entscheidung, nicht zurückzukommen, enttäuscht habe. Aber Ihr Fans seid uns Spieler so nahe und kümmert Euch so stark um Eure Spieler, ich bin sicher, Ihr könnt meine Entscheidung verstehen. Ich werde immer ein Fan von Ambri sein.

L: Danke, Hooligan!

Interview: Angelo Lanini

Dies ist ein Beispiel für eine Exklusivintervie, wie ihr sie in unserem Fanmagazin finden könnt. Unsere „Gazzetta dell’Ambrì“ erscheint diesen Dezember bereits zum 50. Mal. Mit einem Abonnement unterstützt ihr auch den HC Ambrì-Piotta, da wir einen grosser Teil der Einnahmen aus Abonnementen- und Inserateeinnahmen an den HCAP überweisen.

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