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04. Oktober 2023
Von Soraya | Foto: Soraya
HCAP News

Ambrì knickt nach Boykott ein und spielt jetzt den Helden

Der Boykott der Fans gegen die hohen Ticketpreise in der Gottardo Arena hat sich gelohnt. Ambrì knickt ein und senkt die Preise per sofort. Doch nun wollen sie ihr Image auf eine spezielle Art flicken. Ein Kommentar.

Es ist still in der Gottardo Arena. Keine Trommelschläge, kein Gesang. Und doch sind über 6400 Fans anwesend. Bei dieser Anzahl Tifosi hätte es in der Arena letzte Saison gebebt. Im Spiel gegen Davos sind aber gar die Schlittschuhe, die über das Eis gleiten oder der Puck, der an die Scheibe kracht, zu hören.

Dass es so still während dem Spiel ist, hat einen Grund: Boykott. Denn die Tifosi von Ambri streiken seit dieser Saison wegen der hohen Ticketpreise in ihrem Heimstadion – nun können sie einen Erfolg feiern.

Rückblick: Für diese Saison erhöhte der HCAP die Preise bei den Einzeltickets in der Gottardo Arena. Der Grund seien steigende Kosten im und rund um das neue Stadion, so der Klub. Zu Beginn der neuen Saison sollten die Tickets für den Heimsektor 35 Franken und diese im Gästesektor 40 Franken kosten. Doch nachdem die Fangruppierungen von Davos und Rapperswil beschlossen hatten, Ambri künftig zu boykottieren, krebsten die Tessiner zurück. So sank der HCAP noch vor dem Saisonstart den Preis wieder um drei Franken.

Das teuerste Spektakel in Ambri
Diese hohen Preise lösten in der Liga dennoch eine Diskussion aus. Denn Ambri hat mit Abstand die teuersten Ticketpreise. Im Vergleich: In zehn Stadien kosten die Tickets unter 30 Franken. Bei den restlichen vier über 30 Franken liegt Ambri an der Spitze.

Dass es in der Leventina derart teuer ist, stösst vielen Fans sauer auf. So haben nach anfänglich wenigen nun sämtliche Fangruppierungen beschlossen, die Gottardo Arena zu boykottieren. Auch den Ambri-Fans passt dieser Preisanstieg und vor allem der Preisunterschied der beiden Sektoren von fünf Franken nicht. Deshalb haben sie während den Spielen immer wieder ihre Gesänge gestoppt und ihren Ärger mit Bannern signalisiert. Weiter haben sie Unterschriften gesammelt.

Plötzlich will Ambri den Helden spielen
Nach acht Spielen knickt Ambri ein. Am Montag teilt der Klub mit, dass er die Preise für den Gästesektor per sofort auf 32 Franken senkt. Künftig bezahlen Heimfans und Gäste gleich viel. «Heute ist der Unterschied nicht mehr gerechtfertigt», heisst es in der Mitteilung. Es sei im Sinne des Sports, heimische und auswärtige Fans gleich zu behandeln. Dennoch hat Ambrì sich fünf Jahren gegen diesen Sinn des Sports gehandelt und sich so schon längst ins eigenen Bein gesägt.

Von einem vorangegangenen Boykott und einer Petition steht kein Wort in ihrer Begründung. Dennoch ist es offensichtlich, dass der Klub auf die Forderungen der Fans eintritt und zur Vernunft kommt. Doch Ambrì will nun gar den Helden spielen. Der Klub schreibt: «Der HCAP wird den wenigen anderen Nationalliga-Klubs, die aktuell eine Preisdifferenzierung praktizieren, einen Vorschlag unterbreiten, die Gebühren für Gäste und heimische Fans in Zukunft anzugleichen.» Eine Umschau bei allen anderen Klubs der Liga zeigt aber, nur noch der HC Fribourg-Gottéron hat ungleiche Ticketpreise.

Es scheint, als wolle man im Tessin damit nun das Image wieder flicken und mit gutem Vorbild vorangehen. Doch es zeigt einmal mehr, dass in Ambri die Fans das Sagen haben.

 

 

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