Er kam, skorte und ging – Die Hommage an Dominik Kubalik

Sein Abgang war eigentlich besiegelte Sache nachdem die Los Angeles Kings die Rechte an Dominik Kubalik an die Chicago Blackhawks abtraten. Es macht keinen Sinn die Rechte an einem Spieler zu holen, um ihn dann an einem anderen Ort zu platzieren. Kurz nach der starken WM von Kubalik, wo es für die Tschechen aber erneut nicht für eine Medaille reichte, kam die offizielle Verkündung, dass er bei Chicago einen Einjahresvertrag-Entry-Level-Vertrag unterschrieben hat.

Dominik Kubalik wurde Ligatopskorer

Dominik Kubalik wurde Ligatopskorer

«Kuba», «Kubi» oder einfach Kubalik kam von seinem Stammverein Pilsen nach Ambrì. Der Tscheche unterschrieb einen Vertrag über drei Jahre mit einer NHL-Ausstiegsklausel. Dass diese zum Tragen kommen wird, konnte damals keiner ahnen. Kubalik war in der grossen, weiten Hockeywelt fast gänzlich unbekannt. Mit 17 Jahren ging er nach Kanada, kam aber nach zwei Jahren wieder zurück nach Pilsen. Im ersten Jahr zurück in Tschechien kam er noch nicht auf die Statistikwerte, wie man sie nun kennt. Aber dann 2015 machte es «Klick». Mit fast einem Punkt pro Spiel in den nächsten zwei Saisons verdiente er sich die ersten A-Länderspiele. Gleichzeitig weckte er das Interesse von Paolo Duca. Das Gezeigte war definitiv gut, aber die tschechische Liga ist jetzt nicht gerade zuoberst auf der Liste der (Schweizer-) Sportchefs. Es ist ein weiteres Mal der Verdienst von Duca und seinen Quellen diesen ungeschliffenen Diamanten namens Kubalik nach Ambrì gelotst zu haben.

Über den unrühmlichen Abstecher in die KHL zu Ufa kam er zu Ambrì. Ursprünglich war vereinbart, dass Kubalik in Pilsen die Saison beginnt, weil Ambrì die Saison nicht mit fünf Ausländern beginnen wollte. Mit 24 Punkten in 20 Spielen machte er in der Extraliga da weiter, wo er aufhörte. Gleichzeitig veränderte sich die Situation in Ambrì. Angeschlagene Spieler und die Verletzung von Jeff Taffe sorgten für eine enge personelle Situation. So kam Kubalik früher als geplant in die Schweiz und schlug voll ein. Sofort drückte er Ambrì und der Schweizer National League seinen Stempel auf. Vom unbekannten jungen Tschechen machte er sich innert kürzester Zeit in der Hockey-Schweiz einen Namen. In der folgenden Saison machte er sich endgültig über die Schweiz hinaus bekannt. Man musste annehmen, dass er nach der Saison Gebrauch von der NHL-Ausstiegsklausel machen wird. Denn neben Ambrì zeigte er auch an der WM in der Slowakei, dass er auf international ganz hohem Niveau angekommen ist. Wahrscheinlich spielte dies am Ende aber schon gar keine Rolle mehr, dass er nun nach Chicago weiter zieht. Seine Visitenkarte hatte Kubalik bereits in Ambrì abgegeben. Er hat bewiesen, dass er mit seinem jungen Alter bereits ein absoluter Leader sein kann. Kuba hat ein ganzes Team mitgerissen und jeden Einzelnen besser gemacht. Etwas, das in Chicago für die neue Generation von enormer Wichtigkeit sein wird.

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Im Rahmen eines Interviews für die Gazzetta dell’Ambrì hatte ich die Ehre Kubalik Ende November 2018 zu treffen. Wenn man ihm so begegnete und von nichts wüsste, hat man nicht gerade den Gedanken, dass dieser Mann Topskorer einer der besten Ligen der Welt ist. Klein und eher schmächtig sass er mir in den Katakomben der Valascia gegenüber. Starallüren kennt er nicht. Mit seiner hochsympathischen und fast schüchternen Art, aber gleichzeitig auf seine Ziele fixiert, hat er sich innert kürzester Zeit zum Publikumsliebling der Curva Sud gemacht. Kubalik passte wie die Faust aufs Auge nach Ambrì. Unvergessen sind die vielen magischen Momente, die er in den eineinhalb Jahren in der Leventina bescherte. Der Shorthander gegen die Lakers kurz vor Ende des Spiels, der drei Punkte Wert war, die Overtime-Tore gegen Genf und Zug innert einer Woche oder einfache seine enorme Einsatzbereitschaft. Es gibt so viele Szenen, die man aufzählen könnte und die in Erinnerung bleiben. Was ihn so beliebt machte, ist sein defensives Gewissen. Kubalik ist keiner der an der offensiven blauen Linie lauert. Er ist sich nicht zu schade in Slapshots zu liegen und in Unterzahl unzählige Minuten in der eigenen Zone zu rackern. Gleichzeitig weiss er, wo das Tor steht und hat ein unheimliches Gespür für die Mitspieler. So oft hat er einen genialen Pass gespielt, der die ganze gegnerische Defensive überrumpelte und Schach Matt setzte. Immer wenn er am Puck, oder auch nur auf dem Eis, war, umgab ihn eine ganz spezielle Aura. Zuschauer erwarteten etwas ganz Spezielles, was dann meistens auch kam. Bei Gegenspielern herrschte Alarmstufe Rot.

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Next stop: Chicago!

Rot wird er nun auch tragen. Kubalik wechselt mit einem Einjahres-Entry-Level-Vertrag in die Original Six-Organisation der Chicago Blackhawks. Nach triumphalen Jahren sind die Hawks daran, ein neues Team aufzubauen. Superstars Patrick Kane und Jonathan PHOTOPRESS / Toews haben noch Verträge über vier Jahre. Ansonsten haben sie mit Saad und Anisimov im momentanen NHL-Kader nur zwei Stürmer, die noch zwei Jahre einen Vertrag in Chicago haben. Dazu kommen drei Stürmer mit einem Einjahresvertrag. Bis dato haben somit nur sieben Stürmer für kommende Saison einen Vertrag. Ob der 39-jährige Chris Kunitz weiter beschäftigt wird, ist höchst ungewiss. Es ist unübersehbar, dass Chicago das Kader am Verjüngen ist. Selbst Kane und Toews liegen mehr als vier Jahre über dem momentanen Altersdurchschnitt. Auch darum passt Kubalik sehr gut in diese Organisation, Ob und wenn ja wo er spielen wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Manche Blackhawks-Sympathisanten haben bereits eine Linie mit Kubalik-Toews-Kane kreiert. Wenn der Center am Ende Artem Anisimov heissen würde, wäre es auch nicht so ganz schlecht. Auf jeden Fall hat er beste Karten sich in der NHL einen festen Namen zu machen. Wer der National League so den Stempel aufdrücken kann, muss sich im Haifischbecken NHL nicht verstecken.

«Ambrì wird immer in meinem Herzen sein», hat Kubalik in seinem Abschiedsvideo gesagt. Die Ambrì-Fans werden ihn so schnell auch nicht vergessen. Und wer weiss, vielleicht ist er schneller wieder in der Valascia als man denkt. Der Lockout 2020 droht und ob man Kuba oder einen Super-Superstar holen will, wird sich Duca sehr, sehr gut überlegen müssen. Er wird ein weiteres Mal die richtige Entscheidung treffen.

 Fabiano Wey (geschrieben für swisshockeynews.ch)
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