„Ein Traditionsverein schafft sich ab!“ – ein Kommentar

Schaufelt sich die Führung des HCAP sein eigenes Grab? Angelo Lanini, freier Mitarbeiter der Gazzetta dell’Ambrì hat im Nachgang zur Botschaft der Gioventù Biancoblu zur aktuellen Situation des HCAP einen Kommentar verfasst.

Einerseits bin ich auch der Meinung, dass es den Anschein macht, als würde der Verein im Vergleich zu anderen Vereinen in der Schweiz sagen wir mal unprofessionell geführt. Diesen Eindruck bekommt man beim genaueren Hinschauen. Zum Beispiel, wie der Verein kommuniziert, wann er kommuniziert und was er kommuniziert oder kommentiert.

Betreffend Kommunikation fällt auch auf, dass sich auch der Präsident Filippo Lombardi nicht mehr so oft zeigt, wie auch schon. Stand er früher hin und hielt flammende Reden, ist er irgendwie von der Bildfläche verschwunden. Ob auch bei ihm nach jahrelangem Kampf die Energien versiegt sind?

Dann sieht man es auch daran, dass der HCAP seit Jahren ein Recycling-Club ist. Das heisst, er gibt sein Geld für Spieler aus, die für so ziemlich alle anderen Clubs gar nicht mehr in Frage kommen. Dies nur mit dem fehlenden Geld zu entschuldigen ist einfach zu billig.

Dies zieht sich nun seit Jahren hin. Immerhin hat man damit aufgehört Spielern, die gar nicht wirklich Top sind mit langjährigen Verträgen auszustatten, so dass man dann, wenn sie gar keine wirkliche Leistung mehr bringen, warten muss, bis der Vertrag endlich ausläuft…

Das etwas im Verein nicht stimmt, und das nicht nur finanziell, sieht man auch daran, dass seit Jahren eine Abwanderung junger Talente stattfindet. Einerseits muss man natürlich konstatieren, dass wenn ein Arno Del Curto ruft, die Versuchung gross ist, den HCAP zu verlassen. Trotzdem scheint bei den Jungen folgende Regel zu gelten: „Bloss weg von hier!“

Zudem ist auch zu beobachten, dass dem Verein der Mut fehlt, vermehrt auf junge Eigengewächse zu setzen. Anstatt die Jungen kauft man auf dem Abbruch des Schweizer Eishockeymarktes Spieler ein, die niemand mehr will.

Wenn man einen Verein so führt, schadet man dem Ansehen des Vereines. Wer will dann schon zu so einem Verein kommen?

Was natürlich fehlt ist das glückliche Händchen in Sachen Ausländer. Waren die Ausländer von Ambri früher praktisch immer an der Spitze der Skorerliste, verschwinden sie heute im Nirgendwo.

Warum aber mal nicht jüngere Ausländer aus der AHL oder so holen, die zu Beginn und nicht am Ende einer Karriere sind. Vermutlich kosten diese Ausländer weniger und sind wegen des Alters und der noch bevorstehenden Karriere vielleicht eher gewillt, Vollgas zu geben.

Was jedoch am meisten fehlt, ist der gute alte Kampfwille. Viele Fans erinnern sich wehmütig an jene Zeiten, als Ambri vorallem zu Hause zusammen mit den Fans eine Macht war.
Wie sich die Spieler aufopferten und bis zum Ende kämpften. Lo spirito della Valle! Das heilige Feuer! Die Bereitschaft für die Farben blau und weiss quasi sein Leben zu geben! Mutig warfen sich die damaligen Spieler in den Kampf, in jeden Schuss. All das scheint weg zu sein.

Heute sieht man, wie einige zwar kämpfen, andere aber lustlos auf dem Eis herumzukurven scheinen. Heute sieht man in den Interviews resignierte Gesichter, die Antworten wie „Es ist halt so.“, „Es ist halt der ZSC, die sind stark.“ oder nach einem schlechten Spiel sogar sagen können „Wie haben gut gespielt“.

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Der HC Ambrì-Piotta, ein Club der international bekannt ist, eben weil er es mit seinen wenigen Mittel auf erstaunliche Art und Weise geschafft hat, sich in einer für sie eigentlich unmöglichen Realität zu halten und immer wieder zu überraschen, ist auf einem gefährlichen Scheideweg.

Wie gesagt, schaffte dieser Club es früher mit KAMPF, WILLEN, LEIDENSCHAFT, AUFOPFERUNG und MUT.

All diese Werte sind teilweise oder scheinbar gänzlich verschwunden.

Hiess es früher: „Ein kleines Dorf behauptet sich in der grossen Eishockeywelt!“ ist es leider so, dass es heute zu heissen scheint:

„Ein Traditionsverein schafft sich ab.“

Auch wenn ich dem Präsidenten Filippo Lombardi einen riesigen Anteil am Überleben des Clubs in den letzten Jahren zugestehe, bin ich der Meinung, dass auch er sich spätestens jetzt Gedanken zu einem radikalen Richtungswechsel machen müsste.
Spreche ich mit ehemaligen Trainern, Funktionären und Spielern des HCAP bekomme ich das, was ich hier beschrieben habe hinter vorgehaltener Hand immer wieder bestätigt.

Sie schweigen alle in der Öffentlichkeit. Dies wohl aus Liebe zum Verein. Aber eigentlich wäre es mal nötig, dass jemand aufsteht und endgültig Tabula Rasa macht und den „Sauladen“ aufräumt und dem Verein mal den Spiegel vor die Nase hält.

Hoffen wir, dass Ambri auch diese weitere schwierige Situation übersteht. Viele Male ist es gut gegangen, hat man auch Glück gehabt. Irgendwann ist das Glück aufgebraucht.

Ein Abstieg würde für den Verein das sichere Ende bedeuten. Davon bin ich überzeugt.

Angelo Lanini


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One thought on “„Ein Traditionsverein schafft sich ab!“ – ein Kommentar

  1. Ausgezeichnet formuliert! Ich bin absolut gleicher Meinung und hoffe sehr, dass der HCAP wieder gross wird und wir Fans wieder mit Stolz sagen können: Ich bin Fan des HC Ambri-Piotta und stolz auf meinen Lieblingsclub!

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