Ein offener Brief an den HCAP Verwaltungsrat

Aus dem Tessin hat uns ein offener Brief an den HCAP Verwaltungsrat erreicht, den wir auch den Deutschschweizer Fans zugänglich machen wollen. Der Brief wurde am 29.1.2017 verfasst und damit vor der Entlassung von Hans Kossmann. Der Autor des Briefes ist Federico Lorenzetti, Präsident vom Fanclub BL15.
Die Meinung des Autors muss sich nicht mit der Meinung der Redaktion Gazzetta dell’Ambrì decken.

Um Entschuldigung bitten, nachdem man Fehler gemacht hat, heisst nicht, seine Würde zu verlieren… Es bedeutet, die Eier zu haben, zuzugeben, Fehler begangen zu haben.

Sehr geehrte Herren

Die Situation beginnt wirklich unaushaltbar zu sein, eigentlich ist sie es schon seit einer Weile, aber offensichtlich hat sie momentan ein Limit erreicht, das nie hätte erreicht werden sollen. Ohne um den heissen Brei zu reden, komme ich gleich zum Thema.

Es gab eine Periode in welchem der Verwaltungsrat aus einer grösseren Anzahl Mitglieder bestand und (fast) jeder eine eigene Position inne hatte. Es gab jemanden, der sich um die Finanzen kümmerte, jemanden, der sich um den sportlichen Bereich sorgte und auch jemanden, der sich in gewissen Situationen zu Red und Antwort hinstellte. Es gab eine Linie, der man folgte. Es schien alles wahr und ernst (im Sinne von professionell). Nach ein paar gewissen Situationen kam sogar das Versprechen, transparent zu sein. Ein Verwaltungsrat, der das Maximum machte, uns sich mit allen Angestellten konfrontierte, sowie keine Angst hatte, sich den Fans zu stellen.

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Leider ist es seit einiger Zeit nicht mehr so. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich eine Änderung mit dem Eintritt einer Person festgestellt, die sich noch heute so aufführt, als sei sie die einzige Person, die etwas für diesen Club ausrichten könne. Der Verwaltungsrat wurde auf fünf Elemente reduziert, die Minimalanzahl, die von den Statuten verlangt wird. Ich bin mir sicher, dass die Antwort darauf lächerlich sein wird: Es gäbe keine Schlange um dem Verwaltungsrat beizutreten!

Die vielen Veränderungen und Wechsel beobachten, auch Änderungen von Verhaltensweisen, lassen mich denken, dass die Reduktion des Verwaltungsrates auf 5 Personen vom Fakt diktiert wurde, dass man mit weniger Mitgliedern weniger Personen zu gewissen Fragen überzeugen muss. Vor allem, wenn gewisse Leute das Potential hatten,  gegen einige Entscheidungen abzustimmen, würde ich sagen, dass man sich so einen „bequemen“ Verwaltungsrat konstruiert hat. Dies ist ein riesiger Fehler.

Ich bin der Meinung, dass der Verwaltungsrat aus Personen bestehen sollte, die sich treffen, um das Beste für den Verein zu bestimmen. Im Grunde ist es doch ein demokratisches Regime und keine Diktatur. Zum Teufel mit Sympathien und Abneigungen. Zum Wohl des Clubs braucht es mehr Argumente zur Diskussion. Ich weiss nicht, wer sich die Mühe macht, den „Ich mache alles“ zu spielen, aber ich kann es mir vorstellen, also eigentlich weiss ich es ganz genau, wer es ist und ich werde es mir nicht nehmen lassen, ihm meine Gedanken in Bälde persönlich mitzuteilen.

Ihr habt keinen Dialog mehr mit den Fans, weil Ihr der Meinung seid, immer recht zu haben und andere Meinungen nicht zulassen wollt.

Die Fans waren Euch willkommen, als es darum geht, den Verein vor dem Konkurs zu retten. Ihr habt sie aber zu schnell wieder vergessen und jetzt, wo Ihr alle, wegen Eures Verhaltens, gegen Euch habt, würde ich nicht zu stark mit einer nochmaligen solchen Unterstützung rechnen. Ihr habt es geschafft, die GBB zu verärgern, eine der organisierten Gruppen, die am stärksten an der Squadra hängt. Mehr als jede andere Gruppe der anderen Vereine. Eine Fankultur, für die uns alle beneiden. Fans, die in jeder Situation da sind, in jedem Stadion. Und dank Euch ist es jetzt still in der Valascia.

Man sagt, dass die Prüfungen im Leben nie aufhören. Vielleicht steht für Euch eine Prüfung an, der Ihr noch nie ausgesetzt wart. Die Prüfung des Gewissens! Es ist einfach immer anderen die Schuld zu geben, um sich zu rechtfertigen. Dieses Verhalten darf heute nicht mehr toleriert werden. Es ist Zeit, dass Ihr von Eurem hohen Ross runtersteigt – das Ihr ohne Grund bestiegen habt – und Euch wieder unter die Leute mischt, Ihnen Hoffnung gebt und vor allem das tut, was man von Euch erwartet.

Wir haben viele Junge, die man ins Geschehen schicken könnte. Hört auf, immer unnötig Geld auszugeben, in dem Ihr Pseudo-Spieler von anderen Vereinen ins Tal holt. Unsere Realität muss sein, sich kämpfend zu retten. Lassen wir das unsere Jungen tun. Weniger Ausgaben, mehr Lust und Kampfgeist auf dem Eis. Im modernen Hockey sollten keine erfahrenen Spieler mehr existieren, auch weil die Tatsachen zeigen, dass die Erfahrung daher kommt, sich einen Club zu finden, der einem nochmals viel (zuviel) Geld zahlt und die Rente vergoldet. Die Lust eines Jungen, in die Squadra zu kommen ist sicherlich wertvoller, als die Lust, sich nicht zu verletzen, um die Rente zu geniessen, wie es die Spieler im Herbst ihrer Karriere zeigen. Auch die Diskussion um das heilige Feuer (fuoco sacro), das durch den Coach bei seinen Spielern entfacht werden sollte, ist hinfällig, wenn Ihr die Ersten seid, die dieses Feuer nicht in sich tragen.

Wie immer werdet Ihr sagen, dass ich immer bereit bin, negative Bewertungen des Verwaltungsrates und seines Tuns zu verbreiten. Aber ich bin überzeugt, wenn ich Eure Arbeit und Resultate der letzten Jahre anschaue, dass ich bei Weitem nicht der Einzige bin, der so denkt. Das, was Ihr noch nicht verstanden habt und schleunigst verstehen solltet ist, dass hier niemand diesen Verein seinem Schicksal überlassen will, ausser es zwingt uns jemand. Und dieser Jemand seid momentan Ihr.

Wir wissen alle genau, dass die aktuelle Situation unglaublich unbequem und schwierig ist, aber es ist an Euch uns wieder zu positiven Gedanken zurückkehren zu lassen. Es ist an Euch ehrlich und transparent zu sein, wie Ihr es vor einigen Jahren versprochen habt. Mit der Hoffnung, dass dieser Verein den Fans und Sympathisanten wieder Licht und Hoffnung bringen wird, schliesse ich diesen Brief mit einem Gedanken, der mir auf dem Herzen liegt:

Um Entschuldigung bitten, nachdem man Fehler gemacht hat, heisst nicht, seine Würde zu verlieren… Es bedeutet, die Eier zu haben, zuzugeben, Fehler begangen zu haben.

Federico Lorenzetti
Ein enttäuschter Fan

(Italienische Originalversion auf der Homepage von bl15)

3 thoughts on “Ein offener Brief an den HCAP Verwaltungsrat

  1. Dem kann ich nur zustimmen. Bin auch sehr enttäuscht, was hier in der Chefetage so abläuft. Ist ja nur noch ein Kasperlitheater. Es wundert mich nicht, dass wir auf dem Transfermarkt die 2 auf dem Rücken haben, denn wer will schon in einen solchen Verein wechseln? Ich habe gedacht, Zanatte mit SP geht nicht und ebenfalls Zanatte mit Kossmann geht auch nicht. Alles ist eingetroffen. Nur wann geht Zanatta endlich? Den Präsidenten möchte ich nicht für die Fehleinkäufe verantwortlich machen, aber er sollte mal die „Eier“ haben und den Klub wieder in die richtige Richtung zu führen.

  2. Bravo, diese Meinung ist absolut richtig. Als Fan, welcher über 30 Jahre zum HCAP die Treuehält blutet einem das Herz, wenn man die Arroganz und Überheblichkeit des Verwaltungsrates mitbekommt. Aber eben, für Entscheide und Erklärungen braucht es Eier und nicht leere Worte. Diese Entlassung lenkt höchstens ab von der Unfähigkeit gewisser Leute. (Sportchef und Co.)
    Nun gilt es nach vorne zu schauen und Forza Ambri

  3. Auch ich bin absolut gleicher Meinung was die Taten oder eben Unterlassungen und Fehler, die in der Führung gemacht werden, angeprangert werden müssen.

    Ich ertappe mich sogar bei der Überlegung, ob ein reinigendes Gewitter, wie der Abstieg, nicht jene Veränderung bringen würde, die nötig ist. Aber ich vertreibe diesen Gedanken immer wieder, weil ich im A bleiben will und hoffe, dass diese Mannschaft, die am Donnerstag Nati-B-Niveau zeigte, heute und bis Ostern besser spielen wird als Langenthal.
    Mit gemischten Gefühlen fahre ich heute in den Kanton Bern, der schon drei NLA-Teams hat und hoffe inständig, dass die jungen, hungrigen und motivierten Spieler in Gedanken nicht bei der Misere sind, sondern bei den baldigen, glücklichen Ferien.
    Wo sind nur die Menschen, die den Mut haben, Änderungen vorzunehmen, das Ruder herum zu reissen und aus dem HC Ambrì-Piotta wieder einen starken und beliebten Club zu machen?

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