Die Valascia vor der letzten Saison

Zwischen dem Rollfeld des Flugplatzes Ambrì und der Autobahn A2 entsteht das neue Stadion des HC Ambrì-Piotta. Trotz einem Baustopp während der Coronakrise, scheint der Zeitplan und die Fertigstellung auf die Saison 2021/22 eingehalten werden zu können. Die nächste Saison wird für alle speziell, aber für Ambrì wird es mit der letzten Spielzeit in der altehrwürdigen Valascia noch spezieller.

Aufgrund der Vorsichtsmassnahmen bezüglich dem Coronavirus dürfte die kommende Saison in den Stadien anders werden, als man es gewohnt ist. Ungewohnt wird daher auch die Atmosphäre in der Valascia werden. Die Curva Sud peitscht die Squadra nach vorne und schafft so oft eine einzigartige Stimmung. Auch wenn es momentan so aussieht, dass dies auch in der Saison 2020/21 möglich ist, kann man nicht ausschliessen, dass sich dies im Verlauf der Saison wieder ändern kann.

Während Corona musste der Baubetrieb für das neue Stadion kurz ruhen. Dadurch kann man nicht ganz sicher sein, dass das Stadion auf die übernächste Saison bereit sein wird. Allerdings wird man alles daransetzen, dass dies gelingt. Die administrativen Arbeiten würden enorm verkompliziert. Man denke nur mal an den Ticketverkauf, wenn man mitten in einer Saison das Stadion umzieht. Kommt dazu, dass hohe Kosten entstehen würden, wenn man das Stadion länger Instandhalten müsste. Dieses Geld ist wohl nicht budgetiert und will Ambrì unter allen Umständen vermeiden. Daher gehen wir jetzt mal davon aus, dass im März oder April 2021 das Kapitel «Valascia» zu Ende gehen wird. Etwas zynisch müsste man allerdings sagen, dass es zur Never-Ending-Story, um das neue Stadion passen würde, wenn es weitere Verzögerungen gibt.

26 + X

Man kann von Glück reden, dass nicht die vergangene Saison die letzte in der Valascia war. Dies hätte «unsere» Pista nicht verdient. Verbunden ist die Hoffnung, dass wir in einem Jahr nicht an der gleichen Stelle stehen. Dass das neue Stadion in Ambrì nicht schon viel früher gebaut wurde, hängt grossmehrheitlich mit der sportlichen und demzufolge finanziellen Unsicherheit des Clubs zusammen. Auch wenn man es nicht zugeben will, irgendwo im Hinterkopf schwebt bei jedem Ambrì-Fan das Abstiegsgespenst.

Als dann der Bau der neuen Arena gesichert war, kam schnell der Gedanke: Hoffentlich gelingt eine gute letzte Saison vor dem Umzug. Das Horrorszenario kann aufgrund Corona nun gar nicht eintreten. Man hat sich geeinigt, dass es kommende Saison, sofern sie regulär durchgezogen werden kann, keinen Absteiger aus der National League geben wird. Zugleich wird die Regular Season 52 Spiele umfassen und Pre-Playoffs vom siebten bis zum zehnten Rang gespielt. Klammert man mögliche Testspiele in der Valascia und allfällige Cup-Heimspiele, von denen es maximal vier geben kann, aus, absolviert die Prima Squadra noch mindestens 26 Spiele in der Valascia. Dies ist dann der Fall, wenn das Team von Luca Cereda auf dem elften oder zwölften Platz landet. Danach kommt das «X». Und gleichzeitig wird die Rechnung nicht mehr so einfach. Angenommen es wird der zehnte Platz, kann es ein einziges [Pre-Playoffs sind Best-of-3] oder auch zehn weitere Heimspiele geben. Im realistisch gesehen unwahrscheinlichen Fall, dass der HCAP Qualifikationssieger wird, sind zwölf weitere Heimspiele möglich. Alles dazwischen ist, ohne ausufernde Rechnungen anzustellen, nicht zu sagen, weil es natürlich sehr davon abhängt, wie die anderen Teams abschneiden, falls es über die Pre-Playoffs oder Viertelfinals hinausgehen sollte.

Durchaus möglich ist, dass man nicht im Vorneherein weiss, welches das letzte Spiel ist und man nur sagen kann: «Dies könnte das letzte Spiel in der Valascia sein.» Dann heisst es umso mehr: «Geniesse es, man weiss nicht, wie es nachher sein wird.»

Arrivederci Valascia nach 62 Jahren

Das Eisfeld im Dorfkern Ambrìs wurde 1959 eröffnet. 20 Jahre später kam das Dach, das aber bis heute bekanntermassen an den zwei Enden oben geöffnet ist. Gerade das schafft in den kalten Wintermonaten eine aussergewöhnliche Ambiance, auf die man aber manchmal durchaus lieber verzichten würde. Im Nachhinein macht aber genau dies einen grossen Teil des «Mythos Ambrì» aus.

Offiziell passen 7’500 Zuschauer in die Valascia. Inoffiziell sind es bei den legendären Tessiner Derbys deutlich mehr. Die Geschichte ist lang und hat so manche Dramen gesehen. Angefangen bei der Rückkehr 1985 in die höchste Schweizer Spielklasse, in der man seither ununterbrochen mitspielt. Gerade in den letzten zehn Jahren stand dies aber auf Messerschneide. Man erinnere sich beispielsweise an den Playout-Final 2018 gegen Kloten, als es drei Heimsiege und so den Ligaerhalt gab. Einen negativen Höhepunkt stellte der verlorene Playoff-Final im Frühling 1999 dar, als man gegen Lugano alle drei Spiele in der Valascia verlor. Näher kam die Valascia bisher nicht an eine Meisterparty. Ein Jahr später wurde man im Halbfinale vom gleichen Gegner gesweept.

Auch 2006 schied man nach sieben Spielen nach einem 3:0 im Viertelfinale gegen den Kantonsrivalen aus. Unvergessen ist der Lattenschuss in Spiel 4 in der Valascia von Hnat Domenichelli beim Stand von 4:4. In der Verlängerung holte sich Lugano den Sieg und drehte dann die Serie. Der HCL ging weiter zum Meistertitel. Für Ambrì begannen ganz harte Jahre. Erst 2014 erreichte man wieder die Playoffs, scheiterte aber in der ersten Runde an Fribourg. Noch einmal musste der HCAP in die Ligaqualifikation, ehe es 2019 nach einer Traumsaison wieder Playoffs gab. Dank dem Game-Winner von Michael Fora in Spiel 4 feierte Ambrì den ersten Sieg in den Playoffs seit 2006. Die Serie gegen Biel ging dennoch in fünf Spielen verloren. Damit wartet man mindestens 21 Jahre auf das Überstehen einer Playoff-Runde.

Aufgrund dieser tollen Saison 2018/19 kam die Valascia noch in den Genuss von Champions League. Es ist das letzte grosse Kapitel einer langen Geschichte, die gespickt mit Erfolgen und Dramen ist. Es würde nicht passen, wenn nicht noch ein Weiteres dazukommt. Die Chancen mit diesem Modus und einer Saison, von der niemand weiss, wie sie wird, sind definitiv intakt.

Beitrag von Fabiano Wey

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