Die Ticino Rockets haben gezündet, heben aber noch nicht ab

 

Die Ticino Rockets starteten mit neun Spielen und ebenso vielen Niederlagen in ihr NLB Abenteuer. Höhepunkt ist der Sieg im Cup gegen den SC Bern. Es gibt bei den Rockets noch viel zu tun, damit sie endlich abheben, dies gilt auch in der Kommandozentrale.

„Wir wussten, dass der Start schwierig wird. Wir sind ein sehr junges Team mit sehr wenig Erfahrung auf diesem Niveau.“ Sagt uns ein gelassener Luca Cerada nach dem Spiel gegen den EHCO Olten. „Die Jungs spielen nun gegen Männer. Zum Teil gegen riesige Männer. An das müssen sie sich zuerst mal gewöhnen.“

hcb_6837

Gegen die Oltener haben die Rockets ihre neunte Saisonniederlage eingefahren. 3:4 stand es am Schluss, nachdem die Tessiner mit einer 2:1 Führung ins letzte Drittel gestartet waren. Eine Situation die die Rockets gut kennen. Schon oft lagen sie in Führung und mussten am Schluss doch noch als Verlierer vom Eis. “Vieles liegt im Kopf. Kriegen wir in solchen Situationen ein Gegentor sind die Spieler oft mental blockiert.“

Luca Cereda ortet genau „im Kopf“ das grösste Entwicklungspotential. „Das Spiel ist schneller als in der 1. Liga oder den Elite Junioren. Die Jungen müssen lernen, Entscheide schneller zu treffen.“ Um zu lernen, müssen sie auch Fehler machen können. Diese Chance gewährt ihnen Luca Cereda. Mit seiner Erfahrung aus den U-Nationalmannschaften hat er das notwendige Rüstzeug um die jungen Spieler weiter zu entwickeln.

Obwohl der erste Sieg, mit Ausnahme des Erfolgs im Cup gegen den SC Bern, noch fehlt, ist Cereda mit seinem Team sehr zufrieden. „Es waren nur zwei Spiele die schlecht waren. Die Spieler kämpfen bis zum Schluss. Die Einstellung stimmt. Ich habe meinen Spielern in der Kabine gesagt, dass auch Ambrì 12 Spiele warten musste bis zum ersten richtigen Sieg.“ Für diesen nicht mehr viel, es fehle vor allem noch an der letzten Konsequenz.

hcb_7082

Im Matchprogramm des EHCO Olten wurde das Spiel gegen das Schlusslicht der NLB als Charaktertest angekündigt. Ueli Huber, Verteidiger beim EHCO formulierte es so: „Auch die Spieler von Biasca können Eishockey spielen. Sie sind vielleicht technisch nicht so bewandt wie die Zuger, dafür spielen sie mit umso mehr Herz.“

Dies bestätigte sich auf dem Eis. Die Rockets forderten sie Oltener bis zum Schluss. Obwohl sie im letzten Drittel drei Tore in Serie kassierten, das letzte davon ein Shorthander, kämpften sie weiter und kamen nochmals auf 3:4 heran. Dies obwohl Misha Moor im zweiten Drittel verletzt ausfiel und der Tommaso Goi (kam diese Saison auch schon beim HCAP zum Einsatz) vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde.

Das Spiel fand vor knapp 3’000 Zuschauern statt. Die Fankurve der Rockets war aber gänzlich leer..

Auch neben dem Eis weht den Rockets ein harter Wind entgegen. Dass die Farmteams in der NLB nicht wirklich willkommen sind, erfährt man sehr direkt. Sowohl beim Spiel gegen den EHC Visp als auch in Olten kamen diesbezüglich klare Aussagen von offiziellen Funktionären dieser Klubs. Als „chancenloses Grümpelteam“ bezeichnet oder etwas diplomatischer „Unsere Meinung zu diesen Teams kennt ihr ja“ sind schon klare Worte, die zeigen, wieviel Respekt die etablierten Teams dem NLB Neuling neben dem Eis entgegenbringen. Auch wenn die Rockets den Aufstieg auf sportlichem Weg geschafft haben. Der leere Gästesektor in Olten und de Zuschauerschnitt von nicht einmal 300 für Heimspiele stärken natürlich diese kritischen Stimmen.

In einem Punkt hat Herr Hagmann Medienvertreter des EHCO Olten aber recht: Der Web-Auftritt der Ticino Rockets ist nicht Nationalliga würdig, die Infos sehr spärlich. Auch dass kein Vertreter des Teams an der Pressekonferenz vor dem Spiel anwesend war, zeugt nicht von Professionalität, die man von einem Team in der Nationalliga erwarten darf. Insbesondere wenn es sich um ein Partnerteam eines NLA Vereins handelt. Hier haben die Tessiner noch einiges an Arbeit vor sich, um sich nicht nur auf dem Eis, sondern auch neben dem Eis Respekt zu verschaffen und endlich abzuheben.

Roland Jauch

bannergazzetta_logoneu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *