Ambri wird gewinnen und weiter Jammern dürfen

Heute beginnt die Ligaqualifikation zwischen dem HC Ambrì-Piotta und dem SC Langenthal. Ein Duell sportlich ebenbürtiger Gegner, das beide Teams als Gewinner beenden werden. Die einen weil sie sportlichen Erfolg feiern können, die anderen weil sie weiterhin Jammern dürfen.

Sportlich stehen sich mit Ambrì und Langenthal zwei Gegner gegenüber, die ebenbürtig sind. Die Langenthaler gewannen souverän die Qualifikation und setzten sich auch in den Playoffs trotz Ausfall ihres Topskorers Jeff Campell gegen die aufstiegswilligen Lakers durch. Sie bringen die notwendige Masse und Klasse mit, um den HCAP mehr als nur fordern zu können.
Der HCAP dagegen hat die schlechteste Saison seit langem hinter sich. Das gesteckte und zu euphorisch kommunizierte Ziel der Playoffs wurde klar verfehlt. Mit Guggisberg, Zurkirchen, D’Agostini, Emmerton, Pesonen, Fuchs, Monnet verfügen die Leventiner über einiges mehr an Talent als der Gegner. Die Gründe für das Scheitern lagen im Vergleich zu früheren Saisons nicht im Verletzungspech, sondern oft an der mangelnden Einstellung und individuellen Fehlern der Spieler. Das Konzept vom neuen Trainer Gordie Dwyer scheint nun endlich zu greifen, aber das noch rechtzeitig ist gegen einen eingespielten Gegner?

Die Frage stellt sich aber, wird das Duell auf oder neben dem Eis entschieden?

Für den HCAP steht viel, ja alles, auf dem Spiel. Der Druck von Medien, Publikum und Sponsoren ist enorm. Präsident Filippo Lombardi droht nichts weniger als der Gesichtsverlust und als „Totengräber“ des HCAP da zu stehen. Ein Abstieg gefährdet das Projekt der neuen Halle und die weitere Existenz des Klubs im Schweizer Top Hockey und im Generellen. Die Leventina würde von der Landkarte der Schweiz verschwinden, kaum jemand wird sich im NEAT Tunnel daran erinnern, dass einige Meter höher früher um Nationale und Internationale Titel gekämpft wurde. Die Valascia verkommt zu einer Sportruine, die sich nahtlos an die Reihe der diversen Industrieruinen einreiht.

Die Langenthaler können ohne Druck in die Serie starten. Sie haben nichts zu verlieren, ihr Saisonziel haben sie mit dem Playoff Final bereits erreicht und mit dem Meistertitel gekrönt. Sie verfügen über die in Ambri oft gewünschte Winner-Mentalität. Doch stellt sich die Frage, wollen sie wirklich aufsteigen? Auch wenn alles dafür bereit scheint, die finanziellen Mittel sind zugesichert, müssen sich die klugen Oberaargauer die Frage stellen, ob es sinnvoll ist. Will man das Risiko eingehen, nächste Saison bereits wieder um die Ligazugehörigkeit zu bangen? Können sie es sich langfristig leisten, in der NLA zu sein, oder will man lieber, wie der letztjährige NLB Meister HC Ajoie die Strategie verfolgen, ein wirtschaftlich und sportlich erfolgreiches NLB Team zu bleiben.

Meine Prognose, Die Verantwortlichen des SC Langenthal sind Realist genug zu wissen, dass es klüger ist, eine weiterhin erfolgreiche Zukunft in der NLB zu haben, als ein Existenz gefährdendes Gastspiel in der NLA zu wagen. Darum wird der HCAP die Serie mit 4:2 gewinnen dürfen. Die Langenthaler wahren ihr Gesicht, trotz Antritt zur Ligaqualifikation und dem sportlich geschafften Aufstieg, zu verzichten und schliessen ihr 70-Jahr Jubiläum mit einem grossen Fest nach dem sechsten Spiel in der Schoren Halle ab. In der Leventina wird hingegen das traditionelle Jammern trotz- oder wegen – dem Ligaerhalt auch im 80. Jahr der Vereinsgeschichte weitergehen und alle sind zufrieden.

Roland Jauch
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