Ambrì stiehlt zwei Punkte in Bern

Der HCAP gewinnt in Bern mit 2:3 nach Penaltyschiessen. Zweimal glichen die Leventiner einen Rückstand aus.

Auf der einen Seite wurde es das erwartete Spiel, auf der anderen nicht. Natürlich übernahm der SC Bern ab der ersten Sekunde das Kommando und bestimmte, wo die Scheibe hinging. Allerdings verstand es Ambrì in der eigenen Zone nahe am Gegner zu sein, was den schnellen Bernern überhaupt nicht behagte. Dass dies nicht immer aufgehen kann, ist nichts als logisch.

Diese Spielweise verlangt viel Kraft und noch viel mehr Disziplin. Erstmals verlor Igor Jelovac in der fünften Minute seinen Gegner. Es war Grégory Sciaroni, der um das Tor ziehen konnte und die Scheibe auf Scherwey legte und das Spielgerät zur Berner Führung über die Linie drücken konnte. Im Tor des HCAP stand übrigens Benjamin Conz. Manzato reiste wegen einer Ellbogenverletzung gar nicht nach Bern. Ersatz war Connor Hughes.

Johnny Kneubühler gehört nun auch zu den Torschützen für den HCAP

Johnny Kneubühler gehört nun auch zu den Torschützen für den HCAP

Dieser grosse Einsatz untermauert die Statistik eindrücklich. Im gesamten Spiel blockte Ambrì 20 Berner-Schüsse, fünf davon wehrte alleine Jiri Novotny ab. Trotzdem flogen 37 Schüsse auf Conz. Es war aber nicht so, dass die Leventiner sich nur aufs Verteidigen beschränkte. Wenn sich die Chance bot ging man in den Angriff und zeigte sich mutig, und dies konnte eben nicht in dieser Art erwartet werden, und setzte dann der Scheibe nach. Lauper, der sich in sehr guter Form befindet, provozierte einen Scheibenverlust von Blum in der eigenen Zone, was Kneubühler erlaubte von rechts aufs Tor zu ziehen. Der Neuzugang erwischte Genoni unter dem Schoner und kam so zu seinem ersten Tor im Dress des HCAP.

Das zweite Drittel musste Ambrì zu Beginn lange in Unterzahl bestreiten. Zuerst lief noch eine Reststrafe und dann holte Michael Ngoy in kurzen Abständen zwei dumme Strafen in der Berner Zone. Das Boxplay war sehr stark und konnte gekillt werden, aber eine wunderschöne Kombination von Arcobello auf Ebbett brachte die erneute Berner-Führung. Ambrì zeigte noch im zweiten Drittel eine Reaktion und kam vor der zweiten Pause zum neuerlichen Ausgleich. Eine der wenigen Male konnte man sich im Offensivdrittel festsetzen. Schlussendlich war es Lerg nach Vorarbeit von Kubalik und Müller mit seinem zweiten Tor für den HCAP.

Das kräftezerrende Spiel nagte merklich an den Reserven und Bern kam in den letzten 20 Minuten zu vielen exzellenten Torchancen. Conz liess die Scheibe partout kein drittes Mal passieren. Im gesamten Spiel stand bei ihm dann eine Fangquote von fast 95% in der Statistik. Ambrì überstand viele bange Momente und sicherte sich schon mal den einen Punkt. Es ging für Ambrì bereits zum fünften Mal in dieser Saison in die Overtime. Dies ist einsamer Ligarekord.

In der Verlängerung hatten die Leventiner mit Incir und Zwerger die etwas besseren Chancen. Dennoch kam es zum zweiten Penaltyschisessen in drei Tagen. Lerg entpuppt sich zum echten Penaltyspezialisten und traf als erster Spieler. Der schnelle und im Spiel omnipräsente Scherwey erzielte mit einer schönen Körpertäuschung den Ausgleich. Lerg scheiterte zwei weitere Male und auch die Berner brachten den Puck nicht mehr rein. Schliesslich war es der Ex-Berner Marco Müller, der das Spiel, wie schon am Dienstag, mit dem 16. Penalty entschied. Für Ambrì ist es der erste Sieg nach sechs Niederlagen gegen Bern.

Ein Punkt war schon eher glücklich, konnte man aber noch mit dem grossen Einsatz rechtfertigen. Zwei gehören dann schon in die Kategorie «gestohlen». Aber auch das braucht’s und belohnt für eine aufopferungsvolle Leistung. Solche Siege geben enorm Selbstvertrauen und lassen eine Mannschaft noch weiter zusammenrücken. Mit diesem geht’s zurück in die Valascia ins Heimspiel gegen ZSC.

Bericht: Fabiano Wey
Foto: Roland Jauch (Archiv)

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