Ambrì im Tief?

Drei Spiele, drei Niederlagen – dies die ernüchternde Bilanz der vergangenen Eishockeywoche mit Spielen gegen die Lakers, SC Bern und ZSC Lions. Steckt der HCAP in einem Tief?Das war wirklich nicht die Woche des HCAP. Erst ermöglicht man den Rosenstädtern den dritten Sieg der Saison (der 2. gegen den HCAP!), dann verliert man in der Hauptstadt zu Null gegen den SC Bern und zum Schluss gehen die Leventiner mit 1:5 gegen die Lions aus der „Weltstadt“ Zürich unter.

Wir verzichten hier bewusst auf eine Zusammenfassung der einzelnen Spiele. Vielmehr wollen wir der Frage nachgehen, ob der HCAP in einem Tief steckt.

Sicher war die Niederlage gegen die Lakers absolut unnötig. Einmal mehr zeigte sich, dass der HCAP gegen einen vermeintlich schwachen Gegner grosse Mühe bekundet. Die Lakers müssen einfach bezwungen werden, wenn man in die Playoffs will. Falls man diese verpasst, können die Lakers sehr schnell zu einem sehr unangenehmen Playout Gegner werden. Das hat die Vergangenheit ja bereits mehrmals gezeigt. Diese Niederlage ist also klar unentschuldbar und die Punkte unwiderbringlich für den Strichkampf verloren.

Wer die Tore nicht schiesst…

Anders sieht es bei den Wochenendpartien aus. Einen Sieg in der Postfinance Arena zu stehlen, ist für jedes Team eine grosse Herausforderung. Ambrì kämpfte tapfer, musste sich aber am Ende den Mutzen geschlagen geben. Das Positive: Michael Flückiger zeigte eine starke Partie und kassierte nur drei Gegentore. Das nützt aber nichts, wenn die Feldspieler selber keine Tore erzielen.

Ebenfalls eine Überraschung wäre ein Sieg gegen die ZSC Lions gewesen. Diese sind wohl unbestritten das nominell stärkste Team der Liga. Fällt ein Topspieler aus, rückt einfach einer aus der zweiten Garde nach. Zudem verfügen sie mit Wick/Shannon/Baltisberger über eine, wenn nicht die, stärkste Linie auf Schweizer Eis. Gegen diese Linie fand Serge Pelletier, wie bereits im ersten Aufeinandertreffen, kein Rezept. Aber auch ihre zweite Linie mit Cunti/Schäppi/Bärtschi war unserer zweiten Linie (Aucoin/Lhotak/Steiner) klar überlegen.

Sehr gute dritte und vierte Linien

Zu gefallen wussten aber auch an diesem Wochenende die dritte und vierte Linie des HCAP. Bezeichnernderweise waren es diese, welche in regelmässigen Abständen starken Druck erzeugen konnten. Den Rhythmus der NLA gefunden zu haben scheint dabei insbesondere Jason Fuchs. Seine erneute Nominierung in die U20 Nationalmannschaft ist hochverdient.

Erste Impulse konnte auch Fabian Lüthi setzen, der nach seiner langen Verletzungspause wieder ins Team zurückgekehrt ist. Als 13. Stürmer hat ihn Serge Pelletier in verschiedenen Formationen eingesetzt. So auch in der ersten Linie zusammen mit Hall und Giroux.

Suche nach den perfekten Linien

Generell scheint es, dass Pelletier auf der Suche nach den für den Moment perfekten Linien ist. Diese Aufgabe ist aber auch wirklich nicht einfach. Mit Pestoni fällt ein Spieler aus, der dadurch das gesamte Gefüge im Angriff durcheinanderbringt. Zudem kehrten mit Lüthi und Bianchi zwei Spieler ins Kader zurück. Pelletier ist gezwungen, die Angriffslinien neu zusammen zu stellen.

Ebenfalls neu kombiniert werden mussten die Verteidigerpaare. Francis Bouillon muss neu ins Team integriert werden und wenn nur mit 7 Verteidigern gespielt wird, kommt es auch hier leicht zu Abstimmungsproblemen. Bei der Linienzusammenstellung hat der Trainerstab noch einige Hausaufgaben zu erledigen.

Guter Einstand von Bouillon

Der HCAP liess Geoff Kinrade wieder ziehen und hat eine weitere Lizenz (bereits die 6.!) an den 39-jährigen Francis Bouillon vergeben. Er soll die Defensive weiter stabilisieren, aber auch mehr offensive Impulse setzen, insbesondere im Powerplay.

Francis Bouillon im Spiel gegen die ZSC Lions (Foto: R. Jauch)

Francis Bouillon im Spiel gegen die ZSC Lions
(Foto: R. Jauch)

Bouillon absolvierte seine ersten beiden Partien mit dem HCAP und hat dabei, trotz einer  Minus-4 Bilanz. einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Er braucht, wie alle anderen Spieler die von den NHL Rinks auf die grösseren Eisfelder Europas wechseln, seine Angewöhnungszeit. Er war aber in der Partie gegen die Lions der einzige Spieler, der es ander Bande krachen liess und auch auf dem Feld richtig zur Sache ging.

Wo sind die Emotionen?

Der HCAP siegt dank Kampf und Emotionen. Nur eines davon reicht nicht, um (vor allem) gegen die grossen Teams zu gewinnen. Auch wenn 60 Minuten jedem Puck nachgerannt und um diesen gekämpft wird, braucht es eben auch den psychischen Kampf, gegnerische Spieler und Torhüter provozieren und dadurch auch das Publikum noch heisser machen, damit die Valascia zum Hexenkessel wird. Dies fehlte in den letzten Spielen. Hier merkt man klar die Absenzen von O’Byrne (verletzt), Grieder (überzählig) und Zgraggen (verletzt).

Situationsbedingte Findungsphase

Steckt der HCAP in einem Tief? Das war unsere Frage am Anfang. Ich bin der Meinung, das dem nicht so ist. Für mich handelt es sich mehr um eine situationsbedingte Findungsphase. Die Änderungen im Kader führen dazu, dass die Abstimmung noch nicht klappt. Pelletier setzt zudem auf seine „lieben“ offensiven Künstler und weniger auf die „bösen“ Elemente im Team.

Dass dies fatal ausgehen kann, wenn der Puck den Weg ins Tor einfach nicht mehr finden will, haben wir nun gesehen. Es gilt also nun einen möglichst guten Mix aus Kampf und Emotion zu finden. Auf jedenfall müssen wieder mehr Spieler aufs Eis, die Emotionen reinbringen. Diese Spieler können einen Gegner aus der Balance bringen und so Strafen provozieren, was zu einem spielerischen Vorteil für die Künstler führt. Emotionen können aber auch das bekannte Momentum auf die andere – blauweisse – Seite kippen lassen.

Auf jedenfall vermieden werden müssen aber endlich die vielen unnötigen Strafen. Das kann sich der HCAP schlicht und einfach nicht leisten. Diese sind ein Zeichen dafür, dass der jeweilige Spieler selbst aus der Balance gekommen ist. Als Beispiel dazu könnte man den (frustrationsbedingten?) Kniestich von Giroux gegen Baltisberger im Spiel gegen die Lions nennen.

Trotz den Niederlagen gegen Bern und Zürich hat der HCAP bewiesen, dass er nach wie vor gutes Eishockey spielen kann. Nun liegt es einerseits am Trainerstab die Abstimmung zu finden, andererseits aber auch an den Spielern, wieder die Leidenschaft und Emotionen zu zeigen, mit denen die Punkte gegen Servette, Lugano, Zug oder den HC Davos gewonnen wurden. Die nächste Chance bietet sich dazu bereits am nächsten Dienstag auswärts in Davos.

Roland Jauch

 

 

 

 

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