Ambrì begegnet dem HC Davos auf Augenhöhe

Viele befürchteten, dass auch der HC Ambrì-Piotta, nach Fribourg und Kloten sang- und klanglos untergehen könnte. Recht behalten haben aber am Ende diejenigen, die auf Stärke des HCAP gegen Spitzenteams gewettet haben – zumindest teilweise.

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Mannschaft von Trainer gut eingestellt.

Trainer Serge Pelletier hatte seine Mannschaft gut gegen die Powerskater aus dem Landwassertal eingestellt. Die Verteidigung schien bereit und die Stürmer angriffslustig. Die ersten 10 Minuten waren dann auch sehr abwechslungsreich. Schon kam bei den blauweissen Fans Freude auf, dass man zumindest die ersten zehn Minuten ohne Gegentor überstehen könnte. Und schon schlug es ein hinter Zurkirchen. Ein unhaltbar ins hohe Eck abgelenkter Schuss von Mauro Jörg brachte die Davoser nach 9:23 Minuten in Führung.

Keith Aucoin war allen drei Toren beteiligt. (Foto: R. Jauch)

Keith Aucoin war allen drei Toren beteiligt.
(Foto: R. Jauch)

Ambrì kann aber sofort ausgleichen Keith Aucoin forciert Alexandre Giroux, der umtanzt mit seiner ganzen Genialität die Davoser Verteidigung und auch Leonardo Genoni. Das Tor des Abends zum 1:1 Ausgleichstreffer.

Zwei Minuten vor der ersten Sirene sind es aber wieder die Gäste, die Jubeln. Torhüter Sandro Zurkirchen kann den Puck nicht blockieren und die Leventiner Spieler räumen vor dem Kasten nicht auf, so dass Perttu Lindgren fast unzählige Versuche bekommt, die Scheibe ins Tor zu bringen.

Wieder Drittelstart verschlafen

Die ersten Zehn Minuten des Mitteldrittels überlässt Ambrì einmal mehr dem Gegner. Die Davoser können schalten und walten wie sie wollen. Mauro Jörg gelingt in der 26. Minute mit einem satten und platzierten Weitschuss der dritte Treffer. War das der Anfang vom erneuten Untergang?

Nein, eher der nötige Schreckschuss. Endlich fingen auch die Leventiner wieder an Hockey zu spielen. Zugute kam ihnen, dass sie in der 30. Minute Powerplay spielen konnten. Capitano Paolo Duca war es vergönnt, den Anschlusstreffer zu erzielen. Und es hätte noch besser kommen können, wenn sie die weiteren Überzahl Gelegenheiten genutzt hätten.

Das letzte Drittel war dann wieder ein offener Schlagabtausch. Ambrì drückte auf den Ausgleich und ermöglichte damit dem Gegner einige sehr gute Kontermöglichkeiten. Davos verstand es dabei sehr gut, die Verkleinerung der Mittelzone und das Hybrid Icing in ihr Spiel zu integrieren. Mit ihrem enormen Tempo schafften sie es immer wieder, einen weiten Pass – der früher unweigerlich zu einem Spielunterbruch geführt hätte – vor dem Gegner zu erreichen und so das Icing aufzuheben.

Einziger Torschütze im letzten Drittel war aber Inti Pestoni, der im Powerplay, auf Zuspiel von Aucoin, den vielumjubelten Ausgleich erzielte. Es kam zur Verlängerung und dann zum Penaltyschiessen.

Stürmer unterliegen Verteidiger

Félicien Du Bois bezwingt Sandro Zurkirchen und sicher dem HC Davos den Sieg

Félicien Du Bois bezwingt Sandro Zurkirchen und sicher dem HC Davos den Sieg (Foto: R. Jauch)

 

 

Für Ambrì traten an: Giroux, Aucoin, Pestoni, Hall und Duca. Fünf Stürmer. Für Davos Paschoud, Koistinen, Jan von Arx und Du Bois, vier Verteidiger. Da Duca als letzter den einzigen verwerteten Penalty von Ex-Biancoblù Du Bois nicht ausgleichen konnte, bleibt die Frage unbeantwortet, ob Arno del Curto als fünften Schützen einen weiteren Verteidiger lanciert hätte.

Aucoin kommt immer besser in Fahrt

Ein sehr gutes Spiel zeigte Keith Aucoin. Er hatte bei allen drei Toren seinen Stock im Spiel. Zudem fiel er mit einigen starken Dribblings auf und erarbeitete sich selber auch sehr gute Abschlusschancen. Er liess zum ersten Mal aufblitzen, dass er die vielen Vorschusslorbeeren durchaus wert sein kann.

Giroux zwischen Genie und Wahnsinn

Man kann es nicht anders sagen. Giroux ist ein Spieler zwischen Genie und Wahnsinn. Geniale Tore wie zum 1:1 Ausgleich. Aber auch kapitale Puckverluste im Powerplay an der blauen Linie, die dem Gegner Chancen zu Gegenstössen ermöglichen.

Vierte Linie mit sehr guten Einsätzen

Auch wenn ohne Torerfolg zeigten die dritte und vierte Linie wieder sehr gute Einsätze. Hohes Tempo, eine Portion Frechheit und Kreativität bringen ihnen ihnen immer wieder gute Abschlusschancen ein. Bei Jason Fuchs besteht aber die Gefahr, dass er – wie damals sein Kumpel Inti Pestoni – zu selbstverliebt auftritt und den Abschluss selber sucht, statt denn entscheidenden Pass zu spielen.

Erfolgreiche Specialteams

Besser als in den letzten Spielen haben gestern die Special Teams funktioniert. Gegen Rapperswil drei Tore in Unterzahl kassiert, blieb die Box gegen den HC Davos unbezwungen. Und hat selber zwei Überzahltore erzielt.

Heute gegen Lausanne

Schon heute geht’s weiter. Der HC Ambrì-Piotta fährt an den Lac Léman zum HC Lausanne. Eine schwierige Aufgabe. Die Lausanner bekannt für ihr ultradefensives Spiel werden es Ambrì nicht leicht machen. Ein Sechspunktespiel, das sich keine der beiden Mannschaften leisten kann zu verlieren, will man den Anschluss am Strich nicht jetzt schon verpassen.

 

Roland Jauch